Der Tod der Ehegattin stellt einen schweren Schicksalsschlag dar. Zusätzlich werden Betroffene mit den existentiellen Sorgen belastet. Die Witwerrente dient dem Hinterbliebenen als finanzielle Absicherung nach dem Tod der Ehegattin.

Gemäß § 65 Abs. 1 Sozialgesetzbuch erhält der hinterbliebene Ehepartner eine Rente aus der Versicherung der verstorbenen Gattin. Seit 2002 existiert ein neues Hinterbliebenenrecht, was zur Folge hat, dass beide Rechtslagen nebeneinanderstehen.

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Witwer sind keine Seltenheit in Deutschland.

Sinn des neuen Rechts ist der Ausschluss der „Versorgungsehe“, die den Partner eines Schwerkranken über den Tod versorgen soll und nur zu diesem Zweck vor dem Tode geschlossen wurde. Hinterbliebenenrente nach dem alten Recht erhält, wessen Ehepartnerin vor dem 01.01.2002 verstorben ist oder wenn die Eheschließung vor dem 01.01.2002 stattfand und ein Ehepartner vor dem 02.01.1962 geboren ist. Für Witwer, deren Ehefrau vor dem 01.01.1986 verstorben ist, entsteht nur einen Anspruch auf Witwerrente, wenn die verstorbene Ehefrau überwiegend den Unterhalt der Familie aufgekommen ist.

Voraussetzungen für den Rechtsanspruch auf Witwerrente

Voraussetzung für die Zahlung der Witwerrente ist jedoch, dass die Verstorbene die fünfjährige Wartezeit erfüllt und nicht wieder geheiratet hat oder eine neue Lebenspartnerschaft eingegangen ist. Die Wartezeit ist die Mindestversicherungszeit, die zum Zeitpunkt des Todes der Ehepartnerin bestanden haben muss. Dazu zählen die Beitragszeiten in Form von Pflichtbeiträgen und freiwilligen Beiträgen, ebenso wie Kindererziehungszeiten und Zeiten der geringfügigen Beschäftigung etwa aus Mini-Job.

Große und kleine Witwerrente

Unterscheiden wird zwischen kleiner und großer Witwerrente. Die große Witwenrente erhalten Ehegatten in Höhe von 60 Prozent der Rente der Verstorbenen, auf die sie bereits Anspruch gehabt hätte, wenn die Partnerin vor dem 01.01.2002 verstorben ist oder die Geburt eines Ehepartners vor dem 02.01.1962 liegt. Liegt dies nicht vor, wird nach neuem Recht eine Witwerrente in Höhe von 55 Prozent gezahlt. Anspruch auf die große Witwerrente haben Ehegatten, die das vollendete 45. Lebensjahr erreicht haben oder ein waisenrentenberechtigtes Kind, das das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat sowie ein behindertes Kind erziehen oder vermindert erwerbstätig sind. Nach dem neuen Recht muss die Ehe zudem mindestens ein Jahr bestanden haben.

Sind die Voraussetzungen zur Zahlung der großen Witwerrente nicht erfüllt, besteht nach dem Tod der Ehegattin ein Anspruch auf die kleine Witwerrente von 25 Prozent der Rente der verstorbenen Versicherten. Mit dem 01.01.2002 hat sich ebenfalls geändert, dass diese Art der Rente nur noch 24 Monate ausgezahlt wird. Nach Ablauf entfällt der Anspruch automatisch.

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Die Freibeträge sind in den alten Bundesländern höher.

Das Einkommen wird, sofern Freibeträge überschritten werden, angerechnet. Die Witwerrente wird gekürzt oder gegebenenfalls gar nicht ausgezahlt. Der Freibetrag liegt bei 741,05 Euro monatlich in den alten Bundesländern und 657,89 Euro in den neuen Bundesländern. Dieser erhöht sich für jedes waisenrentenberechtigtes Kind um 157,19 Euro beziehungsweise 139,55 Euro. Als Einkommen gilt das Erwerbseinkommen, das Erwerbsersatzeinkommen wie Krankengeld oder private Versorgungsrenten und Einkommen aus Vermögen. Nicht angerechnet wird hingegen unter anderem Hinterbliebenenrente, Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe und Leistungen zur Grundsicherung. Wenn das Einkommen den Freibetrag überschreitet, werden vom verbleibenden Nettoeinkommen 40 Prozent angerechnet.

Wird ein Kind bis zum vollendeten dritten Lebensjahr erzogen, erhöht sich die Witwerrente um einen Zuschlag. Dieser Zuschlag wird ab dem vierten Kalendermonat nach dem Tod der Ehefrau gezahlt und beträgt in den alten Bundesländern für die große Witwerrente 56,13 Euro und für jedes weitere Kind 28,07 Euro monatlich und für sie kleine Witwerrente 25,51 Euro für das erste Kind und 12,76 Euro für jedes weitere Kind.

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Der trauender Witwer muss einen Antrag bei der Rentenversicherung stellen.

Die Zahlung der Rente bei Tod der Ehegattin wird nur auf Antrag gezahlt. Dieser ist bei der gesetzlichen Rentenversicherung zu stellen. Die Deutsche Rentenversicherung wird nach Antrag die Witwerrente berechnen. Der Antrag kann formlos oder auch mithilfe eines verbreiteten Vordrucks erfolgen. Zur Antragsstellung sind folgende Unterlagen vorzulegen: Geburtsurkunde, Sternbeurkunde wie auch Heiratsurkunde. Weiterhin können Nachweise über Ausbildungszeiten, Arbeitslosigkeit und Krankenzeiten verlangt werden.

Nachdem der Antrag geprüft und bewilligt wird, erhält der Hinterbliebene einen Bescheid, gegen den innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Wiederspruch eingelegt werden kann. Der Bescheid gibt Auskunft über Beginn, Höhe und Dauer der Zahlung.
Die ersten drei Monate stehen dem Witwer die volle Rente der Verstorbenen zu. Dieser Zeitraum wird auch als Sterbevierteljahr bezeichnet. In dieser Zeit kommt es zu keinerlei Anrechnung von Einkommen. Grundsätzlich beginnt die Zahlung der Hinterbliebenenrente mit dem Todestag der Ehegattin und kann bis zu zwölf Monate rückwirkend nach Antragsstellung gezahlt werden.

Nach einer erneuten Heirat des Witwers entfällt nach neuem Recht der Anspruch auf Zahlung einer kleinen oder großen Rente. Allerdings wird in diesem Fall eine Abfindung gezahlt. Die Rentenabfindung errechnet sich aus dem 24-fachen der Witwerrente der letzten zwölf Kalendermonate. Die Bezüge des Sterbevierteljahres werden allerdings nicht berücksichtigt.

Beratung und Hilfestellung zur Antragsstellung

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Auskunfts- und Beratungsstellen findet man in vielen Städten.

Um während eines schweren Schicksalsschlag wie dem Verlust der Ehegattin allen organisatorischen und formellen Anforderungen wie der Antragsstellung auf Hinterbliebenenrente gerecht zu werden, ist es sinnvoll, Auskunfts- und Beratungsstellen zu kontaktieren. Diese können bei der Antragsstellung beraten und helfen und werden durch den Rentenversicherungsträger vermittelt.